Künstler (10): Wang Sishun

Wang Sishun, Angle of Sadness, 2012 stainless steel lacquer, polaroid 300 × 3 × 4 cm

Wang Sishun, Angle of Sadness, 2012 stainless steel lacquer, polaroid 300 × 3 × 4 cm

Konzeptionelle Strenge verbindet sich in Wang Sishuns Arbeiten mit fragiler Poetik. Angle of Sadness ist eine drei Meter lange Stange aus blau lackiertem Edelstahl, die in einem bestimmten Winkel an der Wand lehnt. Was wie eine minimalistische Geste aussieht, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als eine Resonanz auf einen ähnlichen Metallstab, fotografiert in einer armen Wohngegend. Es ist eine einfache Setzung von hoher künstlerischer Effektivität. Die Stange im Museumsraum teleportiert den Betrachter in dieses Viertel und lässt gleichzeitig das Elend im Museum ankommen.

 

Wang Sishun ist der Intellektuelle unter den Künstlern der Berliner Ausstellung. In seiner Arbeit Uncertain Capital analysiert er Geldströme. Der Metallwürfel wiegt rund 61 Kilogramm und besteht aus so vielen eingeschmolzenen 1-Yuan-Münzen, wie sie der Erlös einer früheren Version der Arbeit erbracht hatte. Wang ist aber auch der libidinöse Abenteurer, der in „The Wrong body 1“ einen One- Night-Stand verewigt. Von ihm stammen Sätze wie: „Art is like a crafty and smelly sock. When you turn it over, you are not escaping it, but grasping the reality.“

Wang Sishun, Uncertain Capital, 2009 – until now sculpture cast from 1 Yuan coins, 20 × 20 × 20 cm, 61 kg

Wang Sishun, Uncertain Capital, 2009 – until now sculpture cast from 1 Yuan coins, 20 × 20 × 20 cm, 61 kg