Künstler (12): Yang Junling

… macht Geld. Das ist sein Job, zumindest, wenn man seiner Visitenkarte trauen darf.

Yang Junling, Five Cucumbers, 2013, acrylic on canvas, 170 × 200 cm

Yang Junling, Five Cucumbers, 2013, acrylic on canvas, 170 × 200 cm

Hier ist er als „industrial artist“ der China Bank and Minting Corporation ausgewiesen. Als Mitglied des Double Fly Art Center lässt er es auf jeden Fall nicht an ätzender Kritik am chinesischen Kunstmarkt fehlen, dessen Obsession mit Geld augenfällig ist. Die Geste, die Double Fly dafür gefunden hat, ist der Raub in einer Bankfiliale, die gerade erst gebaut wird. Wahllos wird von der neunköpfigen Künstlergruppe alles aus der Baustelle herausgetragen, was nicht niet- und nagelfest ist … Auch als Einzelkünstler unterläuft Yang Junling die Verwertungsstrukturen: Er organisiert auf WeChat (einer chinesischen Kreuzung von WhatsApp und Facebook) kleine Kunstauktionen, oder er führt ein visuelles Reisetagebuch, indem er ein Manga- Comic seitenweise übermalt etc. Interaktive impromptu performances zeigen ihn, wie er einen Schneeball rollt, der schnell fast mannshoch ist, sodass er ihn nur noch be- wegen kann, wenn zufällig vorbeikommende Passanten ihm bei seiner ziemlich sinnlosen Beschäftigung helfen, wodurch der Schneeball noch größer und größer wird. Die für die Berliner Ausstellung ausgewählten Malereien sind von einer ähnlichen Haltung geprägt und stellen dieselbe Frage nach dem Wert – dem Wert des Lebens, der Kunst. So allgemein muss man die Problemstellung des Künstlers wohl tatsächlich sehen, auch wenn sie in locker ironischer Manier in Acryl auf lappige Leinwand gemalt sind wie in „I will monitor your morale all the time“. Es ist das alte Thema – Sex und Geld –, das ihn in dieser neon-grell hingeworfenen Malerei umtreibt.

Yang Junling, Foto © Andreas Schmid

Yang Junling, Foto © Andreas Schmid