Künstler (6): Guan Xiao

Guan Xiaos Betätigungsfeld ist voller kultureller Referenzen, ob Ost oder West.Guan Xiaos Quellen sind Alltagskultur und kunsthistorischer Bestand.

Guan Xiao , Foto © Thomas Eller

Guan Xiao , Foto © Thomas Eller

Das Video „David“ bezieht sich auf die gleichnamige Skulptur des Renaissancekünstlers Michelangelo Buonarroti. Mannigfaltig als Nippes vertrieben, hat diese Inkunabel westlicher Kunstgeschichte rapide an künstlerischer Integrität eingebüßt und an massenkultureller Signifikanz gewonnen. In ihrem aus dem Internet gesampleten Video wird die weltweite Kommerzialisierung dieses Kunstwerkes in unterschiedlichsten Verwendungsformen vorgeführt. Humorvoll besingen Guan Xiao und ihr Mann, der Künstler Yu Honglei, darin die Konsequenz der globalen Überpräsenz dieses „Markenartikels“. Die einzelnen Buchstaben des Wortes „David“ bilden die Basis für den Songtext: D – disappear, A – appear V – value, I – invisible, D – disappear. Guan Xiaos Fazit: Die massenhafte Vermarktung überlagert komplett den kulturellen Gehalt der Skulptur, die einst für die Wehrhaftigkeit der florentinischen Republik stand und einen warnenden Blick Richtung Rom warf. Stattdessen gerät ihr der Blick auf eines der Sinnbilder maskuliner Identifikationsbilder westlicher Kunstgeschichte zu einer feministischen Dekonstruktion aus dem Blickwinkel einer chinesischen Kritik an den Auswüchsen kapitalistischer Konsumkultur.

Guan Xiao , David, 2013, three-channel video, 4'48

Guan Xiao, David, 2013, three-channel video, 4’48″