Künstler (9): Wang Wei

„Zeitgenössische chinesische Kunst hat eine innere Verbindung zu den traditionellen Künsten mit ihrer einzigartigen Ästhetik und Vorstellung von Raum und Zeit.“

Wang Wei (photo © Andreas Schmid)

Wang Wei (photo © Andreas Schmid)

Den Beweis tritt Wang Wei mit seinen Rauminstallationen an. Für die Arbeit „Historic Residence“ beispielsweise fotografierte er die beiden noch erhaltenen historischen Badezimmer Mao Zedongs und seiner Frau Jiang Qing aus den 1960er Jahren am Originalort in Shaoshan, Provinz Hunan. In der Space Gallery Beijing rekonstruierte er dann – auf der Grundlage dieser Fotografien – mit etwas veränderten, größeren Grundrissen und Dimensionen die Einrichtung. Dabei berücksichtigte er auch das historische Inventar (Spülbecken, Mosaike etc.) und die spezifische Farbigkeit der Räume – Gelb (eine Farbe, die früher dem Kaiser vorbehalten war) für den Staatsmann und Apfelgrün für die First Lady.

Für die Berliner Ausstellung entsteht eine große Wandarbeit, die ein Mosaikmuster aus Dongguan in der Provinz Guangdong verwendet. Was für westliche Augen einfach nur wie ein abstraktes Muster aussieht, ist in China ein kultureller Marker, der entsprechend konnotiert wird. Solche geschichtlichen oder auch kulturellen Referenzen im Ausstellungskontext öffnen im Betrachter mentale Räume. Das erst, so der Künstler, vollende das Kunstwerk.

Wang Wei, Natural History IV, 2012, Gertrude Contemporary Gallery, Melbourne

Wang Wei, Natural History IV, 2012, Gertrude Contemporary Gallery, Melbourne